Nyanatiloka. Abhidhammattha-Sangaha 
DRITTER TEIL
KOMPENDIUM BESONDERER KATEGORIEN
§ 48 Die miteinander verbundenen geistigen Dinge wie Bewusstsein und Geistesfaktoren sind ihrer Natur nach in Wirklichkeit 53 (d. i.: 1 Bewusstsein + 52 Geistesfaktoren).
Hier nun wird im einzelnen festgestellt, wie mit Hinsicht auf
- Gefühl (vedanā),
- Wurzelbedingungen (hetu),
- Funktionen (kicca),
- Bewusstseinstore (dvāra),
- Objekte (ārammana),
- physischen Grundlagen(vatthu)
sich die Geistesfaktoren mit den Bewusstseinsklassen gruppieren.
1. Die Bewusstseinsklassen mit Hinsicht auf Gefühl (vedanā)
Was die Gruppe der Gefühle anbetrifft, so unterscheidet man da dreifaches Gefühl:
(1) angenehmes (sukha),
(2) unangenehmes (dukkha),
(3) indifferentes (adukkhamasukha)
Fünffach aber ist das Gefühl gemäß der Einteilung in:
(1)
körperliches Wohlgefühl - sukha = kāyika-sukha,
(2)
körperliches Wehegefühl - dukkha = kāyika-dukkha,
(3)
Freude - somanassa = cetasika-sukha, geistiges Wohlgefühl,
(4)
Trübsal - domanassa - cetasika-dukkha, geistiges Wehegefühl,
(5)
Indifferenz - upekkhā, hier = adukkhamasukha, wörtl. 'weder Wohl- noch Wehegefühl'.
Das hier als upekkhā (s. B.Wtb.) bezeichnete indifferente Gefühl darf man nicht verwechseln mit dem bisweilen als tatra-majjhattatā (§ 23) bezeichneten ethischen Gleichmut (upekkhā) der Geistesformationen-Gruppe (sankhāra-khandha).
Seh-, Hör-, Riech- und Schmeck-Bewusstsein sind stets mit indifferentem Gefühl verbunden, Körperbewusstsein (Körperempfindung) mit Wohl- oder Wehe-Gefühl, das Geistbewusstsein aber entweder mit Freude, Trübsal oder indifferentem Gefühl.
A. Körperliches Wohl- und Wehegefühl

§ 49 Von körperlichem Wohlgefühl begleitet ist dabei nur eine einzige Bewusstseinsklasse, nämlich das durch heilsames Karma gewirkte (kusala-vipāka) Körperbewusstsein. Entsprechend ist von körperlichem Wehegefühl begleitet nur das durch unheilsames Karma gewirkte (akusala- vipāka) Körperbewusstsein.
B. Freude-Gefühl (somanassa)

§ 50 Von Freude begleitet aber sind:
18 Bewusstseinsklassen der Sinnessphäre, d. i.
4 in Gier wurzelnde,
12 lautere der Sinnessphäre
(4 heilsame + 4 karmagewirkte + 4 karmisch-unabhängig funktionierende),
1 freude-begleitetes Prüf-Bewusstsein (santīrana),
1 lächeln-hervorrufendes Bewusstsein des Arahat,
--
18 ferner:
44 = übernormale (3 x 4 = 12) und überweltliche (4 x 8 = 32)
der 1., 2., 3. und 4. Vertiefung, insgesamt
--
62 Bewusstseinsklassen.
C. Trübsal-Gefühl - domanassa

§ 51 Von Trübsal-Gefühl begleitet sind bloß die zwei mit Groll verbundenen Bewusstseinsklassen.
D. Indifferenz-Gefühl (upekkha)

§ 52 Alle übrigen 55 Bewusstseinsklassen sind von Indifferenz begleitet. Diese sind:
4 in Gier wurzelnde Bewusstseinsklassen,
2 in Verblendung wurzelnde Bewusstseinsklassen,
6 durch unheilsames Karma gewirkte wurzellose (ahetuka) Bewusstseinsklassen
(ausgenommen Körperbewusstsein;
Tab.I. 50-53, 55, 56),
6 durch heilsames Karma gewirkte Bewusstseinsklassen
(ausgenommen Körperbewusstsein;
Tab.I 34-37, 39, 41),
2 wurzellose karmisch- unabhängig funktionierende Bewusstseinsklassen (
Tab.I. 70, 71),
12 lautere Bewusstseinsklassen der Sinnessphäre
(4 heilsame + 4 karmagewirkte + 4 karmisch- unabhängig funktionierende;
Tab.I. 5-8, 46-49, 77-80),
23 Bewusstseinsklassen der 5. Vertiefung (s. § 18).
ZUSAMMENFASSUNG § 53 Das Gefühl ist hier dreifach: angenehm, unangenehm oder indifferent; fünffach durch weitere Einteilung in Freude und Trübsal. Es sind verbunden
1 Bewusstseinsklasse mit körperlichem Wohlgefühl,
1 Bewusstseinsklasse mit körperlichem Wehegefühl,
2 mit Trübsal,
62 mit Freude,
55 mit Indifferenz.
---
121 (§ 18)

2. DIE BEWUSSTSEINSKLASSEN MIT HINSICHT AUF DIE WURZELBEDINGUNGEN (hetu) 
§ 54 In der Gruppe der Wurzelbedingungen unterscheidet man sechs Wurzelbedingungen: Gier, Hass, Verblendung, Gierlosigkeit (Uneigennützigkeit), Hasslosigkeit (Güte), Unverblendung (Wissen) (lobha, dosa, moha; alobha, adosa, amoha; vgl. §3).
- Wurzellos (ahetuka) sind 18 Bewusstseinsklassen (§ 7):
das 2 x fünffache Sinnesbewusstsein, das Rezeptiv-, Prüf-, Feststell-Bewusstsein, das lächeln-hervorrufende Bewusstsein des Arahat. - Alle übrigen 71 Klassen sind wurzelverbunden (sahetuka).
- Mit 1 Wurzel verbunden (eka-hetuka) sind:
die in Verblendung wurzelnden 2 Bewusstseinsklassen (§ 6). - Mit 2 Wurzeln verbunden (du-hetuka) sind:
die 10 übrigen unheilsamen Bewusstseinsklassen (§ 3-5) und die 12 mit Wissen nicht verbundenen lauteren Bewusstseinsklassen der Sinnessphäre (§ 11). (Zusammen 22 Bewusstseinsklassen). - Mit 3 Wurzeln verbunden (ti-hetuka) sind:
die 12 wissen- verbundenen lauteren Bewusstseinsklassen der Sinnessphäre (§ 11) und die 27 übernormalen und 8 überweltlichen (§ 16)(Zusammen 47 Bewusstseinsklassen .
ZUSAMMENFASSUNG § 55 Gier, Hass und Verblendung sind die 3 unheilsamen Wurzeln (akusala-hetu),Gierlosigkeit, Hasslosigkeit, Hasslosigkeit, Unverblendung sind die karmisch-heilsamen (kusala-hetu) bzw. karmisch- neutralen Wurzeln (avyākata-hetu).
| Bewusstseinsklassen | Anzahl |
| Wurzellos (ahetuka) | 18 |
| mit 1 Wurzel verbunden (eka-hetuka) | 2 |
| mit 2 Wurzeln verbunden (du-hetuka) | 22 |
| mit 3 Wurzeln verbunden (ti-hetuka) | 47 |
| zusammen | 89 |

3. DIE BEWUSSTSEINSKLASSEN MIT HINSICHT AUF DIE GEISTIGEN FUNKTIONEN (kicca)
§56 In der Kategorie der geistigen Funktionen unterscheidet man 14 Funktionen:
In der Kategorie der geistigen Funktionen unterscheidet 14 Funktionen:
- Wiedergeburtsbewusstsein (patisandhi-kicca)
- Unterbewusstsein (bhavanga-kicca)
- Aufmerken (āvajjana-kicca)
- Sehen (chakku-viññana-kicca)*
- Hören (sota-viññana-kicca)*
- Riechen (ghana-viññana-kicca)*
- Schmecken (jhiva-viññana-kicca)*
- Körperempfindung (kaya-viññana-kicca)*
- Rezipieren (sampaticchana-kicca)
- Prüfen (santīrana-kicca)
- Feststellen (votthapana-kicca)
- Impulsion (javana-kicca)
- Registrieren (tadārammana-kicca)
- Sterben (cuti-kicca)
* Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Körperempfendung = pañca-viññāṇa-kiccaAufgrund der einzelnen Stadien aber, wie Wiedergeburtsbewusstsein, Unterbewusstsein, Aufmerken, Fünfsinnesbewusstsein usw., ist die Einteilung der Funktionen nach den einzelnen Stadien als zehnfach zu betrachten.
Nämlich:
- Wiedergeburts-Funktion-patisandhi-kicca
- Unterbewusstseins-Funktion - bhavanga-kicca
- Aufmerk-Funktion - āvajjana-kicca
- Fünffache Sinnesbewusstseins-Funktion - pañca-vinnāna-kicca
- Rezeptiv-Funktion - sampaticchana-kicca
- Prüf-Funktion - santīrana-kicca
- Feststell-Funktion - votthapana-kicca
- Impulsiv-Funktion - javana-kicca
- Registrier-Funktion - tadārammana-kicca
- Sterbe-Funktion cuti-kicca
(1, 2 u. 10)WIEDERGEBURTS-, UNTERBEWUSSTSEINS- UND STERBEFUNKTION -
(patisandhi-, bhavanga- und cuti-kicca)

§ 57 Unter diesen nun wird die Wiedergeburts-, Unterbewusstseins- und Sterbe-Funktion von (einer der) 19 Bewusstseinsklassen verrichtet, nämlich:
- der 2 indifferenz-begleiteten, (sonst) die Prüf-Funktion verrichtender Bewusstseinsklassen (Geistbewusstseins Element; § 60 [2, 3];Tab.I. 41, 56),
- der 8 karmagewirkten Haupt-Bewusstseinsklassen (maha-vipāka)(Tab.I. 42-49)
- der 9 karmagewirkten Bewusstseinsklassen der Feinkörperlichen und Unkörperlichen Sphäre (§ 14 f.; Tab.I. 57-65).
Der durch das physische Sinnesorgan und das physische Sinnesobjekt bedingt entstehende sinnliche Bewusstseinsvorgang ist in Wirklichkeit ein äußerst komplexer Prozess, in welchem die einzelnen Bewusstseinsphasen in ungeheurer Geschwindigkeit aufeinander folgen und die oben aufgezählten Funktionen verrichten:
- Erregen und Schwinden des Unterbewusstseins,
- Aufmerken am Fünfsinnestor,
- Sehen (oder Hören, usw.),
- Rezipieren des Sehobjekts,
- Prüfen und Feststellen desselben,
- Impulsion,
- Registrieren.
Dies alles sowie das Sterbe- und Wiedergeburtsbewusstsein wird deutlicher erklärt in der unten folgenden Besprechung des Unterbewusstseins.
Die grundlegende Bedeutung des Begriffs
bhavanga als Arbeitshypothese zur Erklärung der buddhistischen Lehren der Wiedergeburt, Rückerinnerung usw., ist bis jetzt von den westlichen Forschern noch kaum erkannt worden.
Bhavanga (= bhavassa anga) wird erklärt als 'Untergrund oder Grundlage (anga = kārana) des Lebens oder Daseins', so dass ich den häufig vorkommenden Begriff
bhavanga-sota als 'unterbewussten Lebensstrom' wiedergebe.
Dieser Begriff deckt sich also mit dem, was die meisten modernen Psychologen, wie Jung u. a., als 'Seele' und das 'Unbewusste' (weil uns nicht bewusst) bezeichnet haben, als das sine qua non alles Lebens überhaupt.
Bloß die kürzere Bezeichnung bhavanga (Lebensgrund) kommt im Kanon einige Male vor, und da auch nur in dem letzten Buche der philosophischen Sammlung, dem Paṭṭhāna, wird aber dort nirgends näher erklärt, sondern offenbar als bekannt vorausgesetzt. Dort heißt es z.B. (Tikapaṭṭhāna, II, Pañhavara 4): "Das bhavanga (d. i. bhavanga-citta) oder Unterbewusstsein ist für das Aufmerken āvajjana; nämlich am Geisttor oder Fünfsinnestor) eine Bedingung im Sinne von Kontiguität oder unmittelbarer Angrenzung" (§ 174; vgl. § 66).
Aus den im Kanon vorkommenden wenigen Stellen geht immerhin klar und unzweideutig hervor, dass schon darin zum Aufsteigen sowohl des Sinnesbewusstseins als auch des Geistbewusstseins das Unterbewusste als Bedingung vorausgesetzt wird. Wäre übrigens alles, was wir je gesehen, gefühlt, wahrgenommen, gedacht, innerlich und äußerlich erfahren und gewirkt haben, nicht ausnahmslos irgendwo und irgendwie registriert in dem, einer äußerst komplizierten Grammophonplatte vergleichbaren, Nervensystem oder im Unterbewussten oder Unbewussten, so könnten wir uns nicht einmal daran erinnern, was wir einen Augenblick vorher getan haben, wüssten überhaupt nichts von der Existenz anderer Wesen und Dinge, würden nicht Eltern, Freunde usw. kennen, könnten überhaupt nicht denken (da dies durch Vergleich mit früheren Erfahrungen bedingt ist), und unser Geist wäre eine vollkommene tabula rasa und leerer als der eines eben zur Welt gekommenen Säuglings, ja selbst eines noch im Mutterleib befindlichen Embryos.
Ausführlicheres über den unterbewussten 'Lebensstrom' (bhavan-ga-sota) findet man bloß in den Kommentaren, und da besonders im Visuddhi-Magga. In den Erklärungen über die Wiedergeburt und die übrigen oben aufgezählten geistigen Funktionen heißt es dort selbst (Vis. XIV):
"Sobald das (im Momente der Empfängnis im Mutterleib eingetretene) Wiedergeburtsbewusstsein geschwunden ist, tritt mit genau demselben Objekt (wie im Sterbe- und Wiedergeburtsbewusstsein) jedes mal das dementsprechende Unterbewusstsein (bhavanga-vinnāna) auf, unmittelbar auf das betreffende Wiedergeburtsbewusstsein folgend und die Wirkung dieser und jener (unmittelbar vor dem Tode begangenen) Tat (kamma = karma, geistige Willenstätigkeit) darstellend. Und wiederum von neuem tritt ein weiteres ähnliches Unterbewusstsein auf. Solange nun kein anderes, die Kontinuität (santāna) des unterbewussten Lebensstroms unterbrechendes, (Ober-) Bewusstsein aufsteigt, solange tritt das Unterbewusstsein, der Strömung eines Flusses vergleichbar, selbst während des traumlosen Schlafes und anderer Zeiten immer wieder in derselben Weise unzählige Male auf. Auf diese Weise ist das fortgesetzte Auftreten jener Bewusstseinszustände in dem unterbewussten Lebensstrome zu verstehen.
- Sind aber, während die Kontinuität des Bewusstseinsstroms im Gange ist, die Sinnesfähigkeiten der Wesen zum Erfassen der Objekte tauglich geworden, so findet, sobald (z.B.) ein Sehobjekt in den Gesichtskreis getreten ist, durch das Objekt bedingt eine Einwirkung auf das sensitive Sehorgan (cakkhu-pasāda) statt.
- Darauf erfolgt durch diese Einwirkung eine Erregung des Unterbewussten (bbavanga-calana).
- Sobald aber das Unterbewusstsein geschwunden ist, steigt das rein funktionelle Geist-Element (mano-dbātu; Tab.I. 70) auf, indem es, eben dieses Sehobjekt zum Objekt nehmend und das Unterbewusste durchbrechend, die Funktion des Aufmerkens (āvajjana) erfüllt..
- Unmittelbar auf das Aufmerken aber steigt an der Sehpforte das, die Augensensitivität zur Grundlage habende, Sehbewusstsein (cak-khu-vinnāna) auf, indem es die Funktion des Sehens erfüllt..
- Unmittelbar darauf steigt das entsprechende Geist-Element auf…, indem es das Objekt des Sehbewusstseins rezipiert (sampaticchana)…
- Unmittelbar darauf das entsprechende Geist-Element…, das das, durch das Geist-Element rezipierte, Objekt des Sehnbewusstseins prüft (santīrana)…
- Unmittelbar darauf das von Indifferenz begleitete, funktionelle, wurzellose Geistbewusstseins-Element, indem es eben jenes Objekt feststellt (votthapana)…
- Unmittelbar darauf… kommt es zum Aufblitzen von 6 oder 7 Impulsivmomenten (javana)…
- Ist das Objekt sehr groß…, so kommt es 1- oder 2-mal zum Aufsteigen von irgendeiner der karmagewirkten Bewusstseinsklassen… oder des Geistbewusstseins-Elements, indem dieses 'jenes Objekt' (tad-ārammana) des Impulsivbewusstseins zum Objekt nimmt. Darum wird es als registrierendes (tad-ārammana) bezeichnet.
- Nach Ablauf desselben tritt wiederum das Unterbewusstsein ein. Sobald das Unterbewusstsein aber wieder durchbrochen wird, entstehen von neuem das aufmerkende Bewusstsein usw.
Auf diese Weise besteht die auf Bedingungen gestützte Bewusstseinskontinuität (citta-santāna), indem unmittelbar auf das Unterbewusstsein (wie oben gezeigt) das Aufmerken entsteht, unmittelbar darauf das Sehbewusstsein usw. So tritt denn diese, im Sinne einer geistigen Ordnung (citta-niyāma), immer wieder von neuem auf, bis schließlich in einem Dasein dieses Unterbewusstsein versiegt. Das allerletzte Unterbewusstsein in einem Dasein nämlich wird wegen seines Schwindens als das Abscheiden (Sterbebewusstsein) bezeichnet.
Nach dem Abscheiden aber kommt von neuem die Wiedergeburt, nach der Wiedergeburt (d. i. dem Wiedergeburtsbewusstsein im Momente der Empfängnis) von neuem das Unterbewusstsein usw."
Nach obigen Erklärungen gibt es in der Sinnessphäre 10 Typen von Unterbewusstsein, nämlich
- die die Wirkungen (vipāka) der 8 karmisch- heilsamen Bewusstseinskategorien bildenden und diesen genau entsprechenden 8 Unterbewusstseinsformen (maha-vipāka)(§ 11; Tab.I. §58 42-49);
- ferner die durch (schwaches) heilsames und durch unheilsames Karma gewirkten (vipāka) und mit indifferentem Gefühl verbundenen zweifachen Geistbewusstseins-Elemente (kusala- und akusala-vipāka-santīrana-citta) (§ 8, 9; Tab.I. 41, 56).
Jeder dieser Unterbewusstseinszustände ist also mit genau denselben Geistesfaktoren verbunden wie der ihm entsprechende Ober-Bewusstseinszustand und bildet gewissermaßen eine ununterbrochene Wiederholung des, durch die allerletzte karmische Willenstätigkeit vor dem Sterben bedingten, Wiedergeburtsbewusstseins und wirkt dadurch bestimmend auf den Charakter des Menschen ein.
Die durch die 1. heilsame Bewusstseinsklasse erzeugte Unterbewusstseinsklasse ist demnach genau wie jene durch Freude und Wissen gekennzeichnet und verbunden mit allen 13 untrennbaren und 25 edlen Geistesfaktoren, nur dass die unterbewussten Zustände karmisch- neutral (avyākata) sind.
Es darf dabei wohl angenommen werden, dass dieser unterbewusste Lebensstrom von alle den früher erlebten äußeren Eindrücken und Umständen begleitet ist, vor allem aber von denen, die bei früher selber verübten besonders guten und bösen Taten anwesend waren.
Etwas widerspruchsvoll muss einen der Standpunkt der Kommentatoren anmuten, dass sie zwar die Anwesenheit von Gierlosigkeit (Uneigennützigkeit), Hasslosigkeit (Güte) und Unverblendung (Wissen) und anderer lauterer (zwar karmisch neutraler) Geistesfaktoren im Unterbewusstsein als möglich lehren, nicht aber in derselben Weise auch etwas den üblen Wurzeln und Geistesfaktoren Entsprechendes im Unterbewussten postulieren. Sicher immerhin ist es, dass das Fehlen der drei obigen guten Wurzeln usw., bei Anwesenheit der durch früheres böses Karma (Willenstätigkeit) bedingten wollüstigen und grausamen Erinnerungsbilder/und karmagewirkten unerwünschten Bewusstseinsobjekte (aniṭṭhārammana; s.
Tab.I. 50-54), einen mächtigen Anlass (upanissaya) zum Bösen bildet. Denn Mangel an Uneigennützigkeit, Güte und Wissen mag bei Anwesenheit solcher Erinnerungsbilder und Sinnesobjekte sehr leicht zu Gier, Hass, Verblendung und den übrigen karmisch- unheilsamen Geistesfaktoren führen. –
Über den Bewusstseinsprozess vgl. auch § 10.

(3) AUFMERK-FUNKTION (āvajjana-kicca)

§ 58 Die Aufmerk-Funktion ist von 2 Arten.
Diese sind:
- (1) das Aufmerken am Fünfsinnestor (pancadvārāvajjana), vollzogen durch das funktionelle Geist-Element (Tab.I. 70),
- (2) das Aufmerken am Geisttor (manodvārāvajjana), vollzogen durch das indifferenz-verbundene funktionelle Geistbewusstseins-Element (Tab.I. 71).
(4, 5) FÜNFSINNES- UND REZEPTIV-FUNKTIONEN (panca-vinnāna- und sampaticchana-kicca)

§ 59 Jede dieser Funktionen (des Sehens, Hörens usw.) wird von 2 Bewusstseinsklassen vollzogen.
Das Sehen nämlich wird vollzogen
- von dem durch heilsames Karma gewirkten Sehbewusstsein (Tab.I 34),
- von dem durch unheilsames Karma gewirkten Sehbewusstsein (Tab.I 50).
Entsprechend ist es mit den Funktionen des Hörens, Riechens, Schmeckens, körperlichen Beeindruckens und des Rezipierens des Sinnesobjektes (sampaṭicchana,
Tab.I 39, 55).
(6) PRÜF-FUNKTION (santīrana-kicca)

§ 60 Die Prüf-Funktion wird von 3 Bewusstseinsklassen vollzogen.
Diese sind:
- das durch heilsames Karma gewirkte freude- begleitete Geist-Bewusstseins-Element (Tab.I 40),
- das durch heilsames Karma gewirkte indifferenz- begleitete Geistbewusstseins-Element (Tab.I 41),
- das durch unheilsames Karma gewirkte indifferenz- begleitete Geistbewusstseins-Element (Tab.I 56).
(7) FESTSTELL-FUNKTION (votthapana-kicca)

§ 61 Die Feststell-Funktion am Fünfsinnestor wird vollzogen von dem (-selben Geistbewusstseins-Element wie das) Aufmerken am Geisttor (
Tab.I. 71).
Um die zweideutig klingende gekürzte Ausdrucksweise des Autors klarer wiederzugeben habe ich die eingeklammerten Worte eingeschoben, doch dies bei späteren analogen Stellen nicht mehr getan.
(8) IMPULSIV-FUNKTION (javana-kicca)

§ 62 Die Impulsiv-Funktion wird vollzogen von 55 Bewusstseinsklassen, d.i. den heilsamen und unheilsamen Bewusstseinsklassen, sowie den überweltlichen Früchte und den funktionellen Bewusstseinsklassen, außer den 2 Aufmerkbewusstseinsklassen (
Tab.I 70, 71).
Dies sind, genau gesagt:
21 heilsame (kusala) Bewusstseinsklassen (
Tab.I. 1-21),
12 unheilsame (akusala) Bewusstseinsklassen (
Tab.I. 22-33),
4 Früchte (phala) (
Tab.I. 66-69),
18 karmisch- unabhängig funktionierende Bewusstseinsklassen (
Tab.I. 72-89)
---
55 Bewusstseinsklassen.
Javana (< javati, antreiben, impellere), 'Impulsion', nennt man die im Bewusstseinsprozess aufblitzenden karmischen Willensmomente (kamma- cetanā), von denen, nach den Kommentaren, meist bis 7 entstellen. Die durch Rhys Davids eingeführte und überall akzeptierte Übersetzung mit 'apperception' ist durchaus verfehlt.:
(9) REGISTRIER-FUNKTION (tad-ārammana-kicca)
§ 63 Die Registrier-Funktion wird vollzogen von den 8 karmage-wirkten Hauptbewusstseinsklassen und den 3 (auch die) Prüf-Funktionen (vollziehenden Geistbewusstseins-Elementen), also von 11 Bewusstseinsklassen.
Dies sind also:
8 karmagewirkten Hauptbewusstseinsklassen (Tab.I 42-49),
3 Geistbewusstseins-Elemente (Tab.I 40, 41, 56)
---
11 Bewusstseinsklassen.
§ 64 Mit Hinsicht auf die Funktionen dieser Bewusstseinsklassen gilt folgendes:
- Die 2 indifferenz-begleiteten Prüf-Bewusstseinsklassen (Geistbewusstseins-Elemente; Tab.I 41, 56) verrichten 5 Funktionen: Wiedergeburt, Unterbewusstsein, Sterben, Registrieren, Prüfen.
- Die 8 karmagewirkten Haupt-Bewusstseinsklassen (Tab.I 42-49) verrichten 4 Funktionen: Wiedergeburt, Unterbewusstsein, Sterben, Registrieren.
- Die 9 karmagewirkten übernormalen Bewusstseinsklassen (Tab.I 57-65) verrichten 3 Funktionen: Wiedergeburt, Unterbewusstsein, Sterben.
- Das freude-begleitete Prüf-Bewusstsein (Geistbewusstseins- Element;Tab.I 40) verrichtet 2 Funktionen: Prüfen und Registrieren.
- Das Feststellende Bewusstsein (Geistbewusstseins-Element;Tab.I 71) verrichtet ebenso 2 Funktionen: Feststellen und Aufmerken an Fünf-Sinnestor. (Anmerkung: Im Buch 1.Aufl. steht irrtüml. Weise Tab.I 70)
- Alle übrigen (68) Bewusstseinsklassen aber verrichten jedesmal nur eine ihrer Natur entsprechende Funktion , nämlich die (55) Impulsiv-Bewusstseinsklassen (die Impulsionen), die 3 Geist-Elemente (1 und 2: Rezipieren, 3: Feststellen;Tab.I 39, 55, 70) und die zweifache Fünfsinnes-Bewusstseinsklasse (das Sehen, Hören usw.; Tab.I 34-38; 50-54).
ZUSAMMENFASSUNG
§65 Wiedergeburt usw. gelten als die 14 Bewusstseinsfunktionen. Nach Einteilung in Stadien jedoch bilden diese bloß 10 Bewusstseinsstadien.
68 Bewusstseinsklassen haben 1 Funktion und 1 Stadium.
2 Bewusstseinsklassen haben 2 Funktionen und 2 Stadien.
9 Bewusstseinsklassen haben 3 Funktionen und 3 Stadien.
8 Bewusstseinsklassen haben 4 Funktionen und 4 Stadien.
2 Bewusstseinsklassen haben 5 Funktionen und 5 Stadien.
--
89 Bewusstseinsklassen 
4. DIE BEWUSSTSEINSKLASSEN MIT HINSICHT AUF SINNESTORE UND GEISTTOR (dvāra)
§ 66 In der Kategorie der Bewusstseinstore gelten als die 6 Tore: das Sehtor, Hörtor, Riechtor, Schmecktor, Körpertor und Geisttor (cakkhu-dvāra, sota°, ghāna°,jivhā°, kāya°, mano°).
Unter diesen gilt eben das (physische) Auge als das Sehtor. Entsprechend verhält es sich mit den übrigen 4 Sinnestoren. Als Geisttor (mano-dvāra) aber wird das Unterbewusste (bbavanga) bezeichnet ('manodvāram pana bhavangan ti pavuccati').
Das 'Geisttor' ist also nicht zu verwechseln mit dem, bloß die Funktion des Aufmerkens, Rezipierens und Feststellens ausübenden, 'Geistelement' (manodbātu; § 159) oder der, alles Bewusstsein umfassenden, 'Geistgrundlage' (manäyatana) oder gar mit der 'physischen Grundlage des Geistigen' (hadaya-vatthu; § 80).
A. Fünfer-Bewusstseinsklassen - pancadvāra-citta
B. Geisttor-Bewusstseinsklassen - manodvāra-citta
C. Von Toren unabhängige Bewusstseinsklassen - dvāravimutta-citta
D. Einertor-Bewusstseinsklassen - ekadvārika-citta
E. Fünfertor-Bewusstseinsklassen - pancadvārika-citta
F. Sechsertor-Bewusstseinsklassen - chadvārika-citta
G. Teils durch 6 Tore entstanden, teils von Toren unabhängig
- chadvārikāni c'eva dvāravimuttāni ca
H. In jeder Hinsicht von Toren unabhängig - dvāmvimuttān'eva
Zusammenfassung
A. Fünfertor-Bewusstseinsklassen (pancadvāra-citta)
§67 Am Sehtor (cakkhu-dvāra) entstehen den Umständen nach 46 Bewusstseinsklassen, nämlich:
1 Aufmerken am Fünfertor (pancadvārâvajjana; § 58),
2 Seh-Bewusstseinsklassen (durch heilsames bzw. unheilsames Karma gewirkt; § 59),
2 Rezeptiv-Bewusstseinsklassen (sampaticchana; § 59),
3 Prüf-Bewusstseinsklassen (santīrana; § 60),
1 Feststell-Bewusstseinsklasse (votthapana; § 61),
29 Impulsiv-Bewusstseinsklassen der Sinnessphäre
(javana; 8 heilsame +12 unheilsame + 8 karmisch-unabhängig funktionierende
Haupt-Bewusstseinsklassen + 1 lächeln hervorrufende Bewusstseinsklasse des Arahat),
8 Registrier-Bewusstseinsklassen (die karmagewirkten Haupt- Bewusstseinsklassen; Tab.I 42-49).*
46 Arten von cittas
--------------|
8 Genau dieselben 46 Bewusstseinsklassen entstehen auch an jedem der 4 übrigen
Sinnestore.Somit hat man (durch Hinzufügung der durch heilsames bzw.
unheilsames Karma gewirkten 8 Sinnes-Bewusstseinsklassen) anzunehmen.
54|Bewusstseinsklassen.
* Da die hier fehlenden 3 registrierenden Bewusstseinsklassen (§ 63) identisch sind mit den bereits aufgezählten Prüf-Bewusstseinsklassen, so sind sie hier nicht nochmals aufgezählt.
B. Geisttor-Bewusstseinsklassen (manodvāra-citta)
Am Geisttor aber entstehen 67 Bewusstseinsklassen, nämlich:
1 Aufmerken am Geisttor (manodvārävajjana; § 58),
55 Impulsiv-Bewusstseinsklassen (§ 62),
11 Registrier-Bewusstseinsklassen (§ 63).
---
67
C. Von Toren unabhängige Bewusstseinsklassen (dvāravimutta-citta)
§ 69 Von Toren unabhängig sind die 19 Wiedergeburts-, Unterbewusstseins- und Sterbe-Bewusstseinsklassen (§ 57).
Diese 19 Bewusstseinsklassen sind, als Unterbewusstsein usw., insofern unabhängig von den Toren, weil sie eben selber das Geisttor bilden, wie oben (§ 66) gesagt. Irgendeine dieser (19) Bewusstseinsklassen entsteht im Sterbemoment, bedingt durch die unmittelbar vorausgegangene geistige Willenstätigkeit, wiederholt sich darauf als Wiedergeburtsbewusstsein und bildet dann, während des ganzen Lebens sich immer und immer wiederholend, den unterbewussten Lebensstrom, der gewissermaßen den latenten Charakter des Menschen ausmacht.
D. Einertor-Bewusstseinsklassen (ekadvārika-citta)
§70 Unter jenen (Tor-Bewusstseinsklassen) aber gibt es 36 bloß 1 Tor entstehende Bewusstseinsklassen, nämlich 36:
- die 10 Fünfsinnes-Bewusstseinsklassen: (5 durch heilsames + 5 durch unheilsames Karma gewirkte),
- die 18 übernormalen Impulsiv-Bewusstseinsklassen:(9 heilsame + 9 karmisch-unabhängig funktionierende)(§13 ff.),
- die 8 überweltlichen Bewusstseinsklassen: (4 Pfade + 4 Früchte; § 16).
----
Die Fünfsinnes-Bewusstseinsklassen, wie Seh-, Hör-, Riech-, Schmeck- und Körperbewusstsein, entstehen jedes mal bloß durch 1 Tor, wie Auge, Ohr usw., die übernormalen und überweltlichen aber nur durch das Geisttor (Unterbewusstsein)
E. Fünfertor-Bewusstseinsklassen (pancadvārika-citta)
§ 71 Die 3 Geist-Elemente (2 rezipierende und 1 am Fünfsinnestor aufmerkendes; § 58 f.; Tab.I 39, 55, 70) entstehen durch die 5 Sinnestore.
F. Sechsertor-Bewusstseinsklassen (chadvārika-citta)
§ 72 31 Bewusstseinsklassen entstehen durch alle 6 Tore, nämlich:
1 das freude-begleitete Prüf-Bewusstsein (Geistbewusstseins-Element; § 60; Tab.I 40),
1 das Aufmerken am Geisttor (feststellendes Geistbewusstseins-Element; § 58; Tab.I 71),
29 die Impulsiv-Bewusstseinsklassen der Sinnessphäre
(8 heilsame + 12 unheilsame + 9 karmisch- unabhängig funktionierende).
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31
G. Teils durch 6 Tore entstanden, teils von Toren unabhängig (chadvārikāni c'eva dvāravimuttāni ca)
§ 73 Die teils durch die 6 Tore entstandenen, teils von Toren unabhängigen Bewusstseinsklassen sind:
2 die indifferenz-begleiteten Prüf- (bzw. Registrier-) Bewusstseinsklassen (Tab.I 41, 56),
8 die karmagewirkten Haupt-Bewusstseinsklassen (Tab.I. 42-49).
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10
Als Registrier-Bewusstsein mögen diese 10 Bewusstseinsklassen durch irgendeines der 6 Tore entstehen, als Unterbewusstsein usw. aber sind sie von Toren unabhängig, da sie selber dann das Geisttor (manodvāra) bilden, wie bereits oben erklärt.
H. In jeder Hinsicht von Toren unabhängig (dvāmvimuttān'eva)
§ 74 Die karmagewirkten übernormalen 9 Bewusstseinsklassen (Tab.I 57-61) sind in jeder Hinsicht von Toren unabhängig.
Diese Bewusstseinsklassen sind deshalb von Toren unabhängig, weil sie stets nur als Unterbewusstsein (Sterbe- und Wiedergeburtsbewusstsein) vorkommen und damit selber das Geisttor bilden.
ZUSAMMENFASSUNG
§ 75 Die Bewusstseinsklassen mag man (mit Hinsicht auf die Tore) in 5 Gruppen einteilen:
36 Einertor-Bewusstseinsklassen,
3 Fünfertor-Bewusstseinsklassen,
31 Sechsertor-Bewusstseinsklassen,
10 teils durch 6 Tore entstandene, teils von Toren unabhängige Bewusstseinsklassen,
9 in jeder Hinsicht von Toren unabhängige Bewusstseinsklassen.
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89 
5. DIE BEWUSSTSEINSKLASSEN MIT HINSICHT AUF DIE OBJEKTE (ārammana) 
§ 76 In der Kategorie der Objekte unterscheidet man 6 Objekte: Seh-, Hör-, Riech-, Schmeck-, Körpereindruck- und Geist-Objekt (dhammârammana).
Hierbei nun ist die körperliche Form (rūpa) dasselbe wie das Sehobjekt (rūpârammana). Das Entsprechende gilt auch von den 4 übrigen Objekten.
Das Geist-Objekt (dhammârammana) jedoch wird als sechsfach zusammengefasst, nämlich als:
- sensitive Körperlichkeit (pasāda-rūpa, d.i. Sehorgan usw.)
- subtile Körperlichkeit (sukhuma-rūpa, d.i. alle Körperlichkeit außer den Sinnes-Organen und -Objekten und dem Feste-, Hitze- und Wind-Element, § 130),
- Bewusstsein (citta),
- Geistesfaktoren (cetasika),
- Nibbāna (nibbāna) und
- Begriff (pannatti).
Diese sind zu unterscheiden nach:
A. Mit Hinsicht auf die Objekte der Sechsertor-Bewusstseinsklassen
B. Mit Hinsicht auf die Objekte der von Toren unabhängigen Bewusstseinsklassen
A. Mit Hinsicht auf die Objekte der Sechsertor-Bewusstseinsklassen
§ 77 Hierunter haben alle durch das Sehtor entstandenen Bewusstseinsklassen (cakkhudvārika-citta) stets nur das Sehobjekt als Objekt, und dieses ist bloß gegenwärtig (d.h. das Sehbewusstsein ist jedes mal bedingt durch die Gegenwart des Sehobjekts). Das Entsprechende gilt auch für die 4 übrigen Arten des Sinnesbewusstseins (d. i. Hören, Riechen usw.).
Das Objekt der durch das Geisttor entstandenen Bewusstseinsklassen (manodvārika-citta) indessen ist, je nach den Umständen, sechsfach (wie oben erklärt) und ist entweder gegenwärtig, vergangen, zukünftig oder von der Zeit unabhängig.
B. Mit Hinsicht auf die Objekte der von Toren unabhängigen Bewusstseinsklassen
(dvāravimutta-citta)
§ 78 Die Objekte der von Toren unabhängigen und als Wiedergeburt, Unterbewusstsein und Sterbe-Bewusstsein geltenden Bewusstseinsklassen (§ 57) sind ihrem Entstehen nach (d. i. als Objekte des registrierenden Bewusstseins) ebenfalls sechsfach (s. vorletzter Abschnitt); bisweilen aber sind es im Vorleben (unmittelbar vor dem Sterben) durch die 6 Tore aufgegriffene und damals gegenwärtige, vergangene oder begriffliche Objekte, bestehend in einer (eine früher begangene Tat im Geiste wiederholenden) Karmatätigkeit (kamma) oder einem Merkmal eines solchen Karma (kamma-nimitta; z.B. Blut, Dolch u. dgl.) oder einem Merkmal der bevorstehenden Daseinsfährte (gati-nimitta; z.B. Höllenfeuer oder himmlische Paläste u. dgl.).
(1) Unter jenen Bewusstseinsklassen haben die 5 Arten des Sinnesbewusstseins,
wie Sehbewusstsein usw. (Tab.I 34-38, 50-54), jedes mal nur ein einziges Objekt, wie Sehobjekt, Hörobjekt usw. - Die 3 Geist-Elemente (rezipierende und feststellendes; Tab.I 39, 55, 70) aber haben 5 Objekte, nämlich das Sehobjekt usw. - Die übrigen karmagewirkten Bewusstseinsklassen der Sinnessphäre (3 Prüf- und Registrier-Geist-Bewusstseins-Elemente: Tab.I 40, 41, 56; ferner .10 auch als Unterbewusstsein, Sterbe- und Wiedergeburtsbewusstsein funktionierende Bewusstseinsklassen: Tab.I 41-49) sowie das lächeln- hervorrufende Bewusstsein (Tab.I 72) des Arahat: diese haben unter allen Umständen bloß Objekte der Sinnessphäre. (Vgl. § 79 a).
(2) Unter den Bewusstseinsklassen der UnkörperlichenSphäre
haben die 2. und 4. Bewusstseinsklasse (d.i. das Bewusstseinsunendlichkeitsgebiet und das Weder-Wahrnehmung-Noch-Nichtwahrnehmungsgebiet; Tab.I 15, 63, 87; 17, 65, 89)
übernormale (mabaggata) Objekte.
(3) Die übrigen aber haben bloß begriffliche Objekte. (Vgl. § 79, 2).
Die 1. und 3. Bewusstseinsklasse der Ufnkörperlichen Sphäre, nämlich das Raumunendlichkeits- und das Nichtsheit-Gebiet, sind keine wirklichen, sondern bloß begriffliche Zustände.
(4) Die überweltlichen Bewusstseinsklassen
(4 Pfade und 4 Früchte, § 16) haben das Nibbāna zum Objekt. (Vgl. § 79, 4).
(5) Bloß die 12 unheilsamen Bewusstseinsklassen (Tab.I. 22-33)
und die mit Wissen nicht verbundenen Impulsiv-Bewusstseinsklassen (4 heilsame + 4 karmisch- unabhängig funktionierende; Tab.I 3, 4, 7, 8; 75, 76, 79, 80) mögen alle Dinge, außer den überweltlichen (lokuttara), zum Objekt haben. (Vgl. §79, 5).
Auch die Heiligen mögen bisweilen selbst mit Wissen nicht verbundene Impulsiv-Bewusstseinszustände haben, und zwar dann, wenn sie nicht gerade ihren Geist auf Erkenntnisdinge richten, sondern sich etwa in Gedanken von Güte und Mitleid vertiefen.
(6) Die 4 wissen-verbundenen heilsamen (kusala) Bewusstseinsklassen
der Sinnessphäre (Tab.I. 1, 2, 5, 6) sowie das als 5. Vertiefung geltende magisch-heilsame (abhinnā-kusala, eig.
mit Höheren Geisteskräften verbundene') Bewusstsein mögen alle Dinge außer Pfad und Frucht der Heiligkeit (arahatta-magga und °phala) zum Objekt haben. (Vgl. § 79, 6).
(7) Die wissen- verbundenen karmisch- unabhängig funktionierenden (kiriya)
Bewusstseinsklassen der Sinnessphäre (Tab.I. 73, 74, 77, 78) sowie das karmisch- unabhängig funktionierende magische (kiriyabhinnā; Tab.1 85) und das Feststell-Bewusstsein (in seiner Funktion als 'Aufmerken am Geisttor'; Tab.I. 71) mögen in jeder Hinsicht alle Dinge zu Objekten haben. (Vgl. § 79, 7).
ZUSAMMENFASSUNG
§ 79 Hier lassen sich 7 Gruppen von Bewusstseinsklassen unterscheiden. Es entstehen nämlich:
(1) 25 Bewusstseinsklassen bei begrenztem Objekt (der Sinnessphäre),
(2) 6 Bewusstseinsklassen bei übernormalem Objekt (der Feinkörperlichen und Unkörperlichen Sphäre),
(3) 21 Bewusstseinsklassen bei konventionellem (begrifflichem, unwirklichem) Objekt,
(4) 8 Bewusstseinsklassen bei dem Nibbāna-Objekt,
(5) 20 Bewusstseinsklassen bei allen Objekten, außer bei überweltlichen Objekten,
(6) 5 Bewusstseinsklassen bei allen Objekten, außer bei höchstem Pfad und höchster Frucht,
(7) 6 Bewusstseinsklassen bei allen Objekten.
(1) 25 Bewusstseinsklassen bei begrenztem Objekt:
23 alle karmagewirkten Bewusstseinsklassen (Tab.I. 34-56)
1 Aufmerken am Fünfertor (Tab.I. 70)
1 lächeln-hervorrufendes Bewusstsein des Arahat (Tab.I. 72)
(2) 6 Bewusstseinsklassen bei übernormalem Objekt:
3 Bewusstseinsunendlichkeitsgebiet Nichtsheitgebiet (heilsam, karmagewirkt),
3 karmisch-unabhängig funktionierend)
(3) 21 Bewusstseinsklassen bei konventionellem (begrifflichem, unwirklichem) Objekt
15 Feinkörperliche Bewusstseinsklassen
(heilsame, karmagewirkte, karmisch-unabhängig funktionierende)
6 Raumunendlichkeitsgebiet, Nichtsheitgebiet
(heilsame, karmagewirkte, karmisch-unabhängig funktionierende)
(4) 8 Bewusstseinsklassen bei dem Nibbāna-Objekt
4 Pfade
4 Früchte
(5) 20 Bewusstseinsklassen bei allen Objekten, außer bei überweltlichen Objekten
12 Alle unheilsamen Bewusstseinsklassen
4 mit Wissen nicht verbundene heilsame
4 karmisch-unabhängig funktionierende Impulsiv-Bewusstseinsklassen
(6) 5 Bewusstseinsklassen bei allen Objekten, außer bei höchstem Pfad und höchster Frucht
4 Wissen-verbundene heilsame Bewusstseinsklassen (Tab.I., 2, 56)
1 heilsame magische Bewusstseinsklassen (= 5. Vertiefung)
(7) 6 Bewusstseinsklassen bei allen Objekten
4 Wissen-verbundene karmisch-unabhängig funktionierende Bewusstseinsklassen
1 karmisch-unabhängig funktionierende magische Bewusstseinsklassen (Tab.I. 85)
1 Aufmerken am Fünfer- und Geisttor (Tab.I. 70,71)

6. DIE BEWUSSTSEINSKLASSEN MIT HINSICHT AUF DIE PHYSISCHEN BEWUSSTSEINSGRUNDLAGEN (vatthu)
§ 80 Was die Kategorie der physischen Bewusstseinsgrundlagen (vattbu) anbetrifft, so unterscheidet man 6 Grundlagen: Auge, Ohr, Nase, Zunge, Körper und Herz (hadaya-vatthu).
Das Herz gilt, nach den Kommentaren wie nach der allgemeinen indischen Überlieferung, als der Sitz des Bewusstseins. In den kanonischen Texten jedoch, selbst im Abhidhamma, wird für das Bewusstsein kein bestimmtes physisches Organ angegeben, wie wohl Shwe Zan Aung (Compendium of Philosophy) zum erstenmal entdeckt hat. Patthāna (Paccaya-Niddesa 7) erwähnt bloß: "Jenes physische Etwas (rūpa), worauf gegründet das Geist-Element (mano-dbātu) und Geistbewusstseins-Element (manovinnāna-dhātu) in Tätigkeit treten."
Alle diese 6 physischen Grundlagen (vattbu) trifft man in der Sinneswelt (kāma-loka). In der Feinkörperlichen Welt (rūpa-loka) dagegen fehlen Riech-, Schmeck- und sensitives Körperorgan. In der Unkörperlichen Welt (arūpa-loka) aber fehlen alle physischen Grundlagen.
Hierbei nun entstehen die Fünfsinnes-Bewusstseinselemente (Sehbewusstsein usw.) in völliger Abhängigkeit von den 5 sensitiven Grundlagen (pasāda-vatthu: Seh-, Hör-, Riech-, Schmeck-, Körper-Organ).
Die als 'Aufmerken am Fünfertor' bzw. als Prüf-Bewußtsein' geltenden Geist-Elemente (Tab.I. 70; 39, 55) entstehen ganz in Abhängigkeit von der physischen Grundlage des Geistigen.
Die übrigen aber als Geistbewusstseins-Elemente geltenden (3) Prüf-Bewusstseinsklassen (Tab.I. 40, 41, 56), ferner die (8) karmagewirkten Haupt-Bewusstseinsklassen (Tab.I. 42-49), die 2 Haß-Bewusstseinsklassen, der 1. Pfad (des Stromeintritts), das (1) lächeln-hervorrufende Bewusstsein des Arahat und die (15) feinkörperlichen Bewusstseinsklassen (5 heilsame + 5 karmagewirkte + 5 karmisch-unabhängig funktionierende Vertiefungen): diese entstehen in Abhängigkeit von der physischen Grundlage des Geistigen.
Die übrigen heilsamen, unheilsamen, karmisch- unabhängig funktionierenden und überweltlichen Bewusstseinsklassen aber entstehen teils in Abhängigkeit von der physischen Grundlage des Geistigen, teils unabhängig davon.
Die karmagewirkten Bewusstseinsklassen der Unkörperlichen Sphäre entstehen unabhängig von der physischen Grundlage des Geistigen.
ZUSAMENFASSUNG
§ 81 Es entstehen:
| die 7 | Bewusstseins-Elemente der Sinnessphäre abhängig von 6 physischen Grundlagen, 1 Geist-Element 1 Geist-Bewusstseinselement 5 Fünfsinnesbewusstseins-Elemente (Sehen usw.) |
| die 4 | Bewusstseinsklassen der Feinkörperlichen (Vertiefungs-) Sphäre abhängig von 3 Grundlagen,Seh-, Hör-,Geist-, Geistbewusstseins-Element |
| das 1 | (Geist-) Element der Unkörperlichen Sphäre unabhängig von den Grundlagen, |
| die 43 | Bewusstseinsklassen abhängig von den 6 physischen Grundlagen, 2=Hass-Bewusstseinsklassen 15=die fünf heilsamen + 5 karmagewirktente + karmisch-unabhängigen funktionierenden feinkörperlichen Bewusstseinsklassen(Vertiefungen)1 Pfad des Stromeintritts |
| die 42 | Bewusstseinsklassen4 teils abhängig, teils unabhängig von den 6 physischen Grundlagen. 10=Die unheilsamen, außer den 2 Hass-Bewusstseinsklassen 16=8 heilsame + 8 karmisch unabhängig funktionierende Haupt-Bewusstseinsklassen 1 =Aufmerken am Geisttor (Tab.I. 71 8=4 heilsame + 4 karmisch unabhängig funktionierende unkörperliche Bewusstseinsklassen 7=die überweltlichen Bewusstseinsklassen, außer dem Pfad des Stromeintritts (§ 16) |
